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Ich schreibe diese Zeilen als Autor – und als jemand, der sich bewusst mehr als ein Jahr Abstand von der Loge genommen hat. Nicht aus Trotz. Aber aus Enttäuschung, Zweifel, Langeweile. Dieses Jahr ohne Loge hat mir gutgetan. Es hat Perspektiven verschoben, Selbstverständlichkeiten infrage gestellt und den Blick freigemacht für das Wesentliche. Und genau daraus ist das Buch Freie Maurer entstanden: kein Meinungsband, kein Pamphlet, kein Abgesang – sondern ein in sich geschlossenes Manual.
Ein Manual,
nach dem sich die reguläre, humanistische Freimaurerei orientieren kann,
das aber zugleich denen eine Blaupause und Experimentiervorlage bietet,
die einen konsequenten Neuanfang für ehrlicher halten.
Diese andere Sichtweise ist nicht bequem. Und ja: Sie birgt eine Gefahr. Wer sich wirklich ein Jahr löst, stellt womöglich fest, dass er seine alte Loge weniger vermisst, als er dachte. Auch das gehört zur Wahrheit. Aber vielleicht ist genau das der notwendige Prüfstein.
Meine Überzeugung ist unverändert: Freimaurerei ist eine gute Sache. Sie tut Menschen gut. Gerade deshalb lege ich diese Bücher vor. Nicht um zu zerstören, sondern um zu erneuern. Denn wenn Freimaurerei sich nicht bewegt, wenn sie gesellschaftlich nicht anschlussfähig bleibt, wenn sie sich in Ritualen, Formalismen oder inneren Zirkeln einrichtet, droht ihr genau das, was sie nie sein wollte: ein Elfenbeinturm – oder ein sektiererisches Eigenleben.
Die Konsequenzen dieser Sichtweise reichen weiter. Meine beiden weiteren Bücher werden 2026 vollständig überarbeitet neu erscheinen – ebenso kompromisslos, ebenso neu gedacht wie Freie Maurer. Nicht aus Lust am Umsturz, sondern aus Verantwortung gegenüber Idee, Geschichte und Zukunft der Freimaurerei.
Ich möchte weiterhin Menschen für die Freimaurerei begeistern. Aber ich möchte sie auch ermutigen, genau hinzusehen:
Passt diese Loge wirklich zu mir?
Wird hier an Werten gearbeitet – oder an Gewohnheiten festgehalten?
Und ebenso klar richte ich mich an die Logen:
Seht genauer hin, wen ihr aufnehmt.
Hinterfragt eure Arbeit, euer Selbstverständnis, euer Angebot.
Verbindet Werte mit Attraktivität – und gebt euch ein sichtbares Profil.
Mittelfristig wird es zudem eine echte Alternative geben: die Freien Maurer. Nicht als Konkurrenz um Mitglieder, sondern als Ergänzung, als Experimentierraum, als andere Antwort auf dieselben Fragen. 2026 wird spannend. Und 2026 ist das Jahr, in dem wir anfangen sollten, diese Spannung auszuhalten.
Zum neuen Jahr wünsche ich Klarheit, Mut und Lust auf ehrliche Diskussionen. Ich freue mich auf Austausch, Widerspruch und Gespräche – als nahbarer Autor, nicht als Verkünder fertiger Wahrheiten. Auf Anfrage biete ich gerne Lesungen, Vorträge oder individuelle Onlineveranstaltungen an.
Ein gutes neues Jahr – und vielleicht ein neues Kapitel.